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ABB findet keinen Käufer für sein Turbolader-Geschäft

Der Schweizer Industriekonzern ABB hat die Hoffnung aufgegeben, einen Käufer für das Geschäft mit Turboladern für große Dieselmotoren und Gasturbinen zu finden. Daher treibt ABB nun die Abspaltung der Sparte als eigenständige, börsengelistete Firma voran, wie zwei mit den Vorgängen vertraute Personen dem Handelsblatt sagten. Ein ABB-Sprecher erklärte auf Anfrage, eine endgültige Entscheidung, ob der Geschäftsbereich verkauft oder abgespalten werde, erfolge gegen Ende des ersten Quartals.

Die Anzeichen, dass ABB Mühe hat, das Geschäft zu einem ordentlichen Preis zu verkaufen, verdichten sich bereits seit Wochen. So hatte der Industriekonzern dem Turbolader-Geschäft Mitte Februar einen eigenen Namen verpasst – ABB Turbocharging heißt seither Accelleron.

Im Interview mit dem Portal „The Market“ der „Neuen Zürcher Zeitung“ sagte ABB-Chef Björn Rosengren: „Die Turbolader-Division wird wahrscheinlich abgespalten.“ Zudem hat Accelleron eine erste Marketingaktion als eigenständige Firma angekündigt: Das Unternehmen geht eine Technologie-Partnerschaft mit dem Formel-1-Team Sauber ein.

Die Turbolader für große Motoren und Turbinen, die etwa in Schiffen, Dieselloks, der Öl- und Gasindustrie sowie in konventionellen Kraftwerken zum Einsatz kommen, passen nicht mehr ins Konzept von Rosengren. Er will den Industriekonzern zum Marktführer in den Bereichen elektrische Motoren, Elektrifizierung, Automatisierung und Robotik machen.

Daher trennt sich Rosengren von Geschäftsbereichen, deren strategische Bedeutung abgenommen hat und deren Margen schwächeln. Doch anders als etwa beim Verkauf der ABB-Antriebssparte Dodge an die US-Firma RBC Bearings Incorporated gelang es dem Schweizer Konzern bisher nicht, einen strategischen Investor für das Turbolader-Geschäft zu finden. Der Dodge-Deal, der 2,9 Milliarden Dollar in die Kassen von ABB spülte, gilt als Coup von Rosengren.

Rekord beim Auftragseingang
Die Abspaltung des Turbolader-Geschäfts ist für ABB nur die zweitbeste Lösung: Frisches Kapital kommt dadurch nicht in die Kassen. Die ABB-Aktionäre erhalten lediglich Anteilscheine an der neuen Firma Accelleron. Details zur Abspaltung sind bislang noch nicht bekannt.

Mit dem Spin-off des Turbolader-Geschäfts will Rosengren den Umbau des Produktportfolios abschließen – und die strategischen Kernbereiche mit kleineren Zukäufen stärken. Die wirtschaftliche Basis dafür ist gut: ABB hat den Umsatz 2021 gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent auf knapp 29 Milliarden Dollar gesteigert. Die Marge legte von 11,1 auf 14,2 Prozent zu.

ABB verzeichnete zudem einen Rekord-Auftragseingang. Allerdings machen dem Konzern der Chipmangel sowie steigende Rohstoffpreise zu schaffen.

Source: Handelsblatt

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