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Das Machtnetz rund um den neuen BKW-CEO Robert Itschner

Bilanz. Für Robert Itschner ist es ein Karriereschritt: Er wird im Oktober bei der BKW-Gruppe die Nachfolge von Suzanne Thoma antreten, die im April zur VR-Präsidentin des Industriekonzerns Sulzer gewählt worden ist und BKW auf Ende Juni verlassen wird. In ihren neun Jahren als CEO hat sie den Stromkonzern umgebaut – von einem regionalen Stromproduzenten zu einem international tätigen Energie- und Infrastrukturdienstleister. Seit dem Tief im Jahr 2015 hat sich der Aktienkurs mehr als verdreifacht.

Itschners Wahl kam für die meisten Beobachter überraschend. Den ABB-Schweiz-Chef, der seine gesamte berufliche Karriere in dem Technologiekonzern aufbaute, hatte kaum jemand auf der Rechnung. Auskunft über den Wechsel geben möchten derzeit weder Itschner noch BKW-Präsident Roger Baillod.

In der Medienmitteilung lobt dieser die «hohen Technologiekompetenzen» und die «ausgeprägte Dienstleistungs- und Kundenorientierung» des designierten Chefs. Itschner wiederum will BKW als «nachhaltiges Unternehmen mit ausgeprägtem Technologie- und Kundenfokus» stärken. «Was die BKW in den vergangenen Jahren aufgebaut hat, ist beeindruckend», sagte er. Das Erbe von Thoma erfolgreich weiterzutragen, wird keine einfache Aufgabe.


ABB-Welt
Offiziell ist Robert Itschner Chef von 4000 ABB-Mitarbeitern. Faktisch hat die Position als Schweiz-Chef aber seit dem Umbau keine Ergebnisverantwortung und damit auch keine grössere Macht mehr. Das dürfte aber Itschner, der nun vier Hierarchiestufen unter CEO Björn Rosengren steht, schon bewusst gewesen sein, als er zum Länderchef befördert worden ist. Denn Ende 2018 löste der damalige Konzernchef Ulrich Spiesshofer die sogenannte Matrix-Struktur auf und verkaufte die Stromnetzsparte mit 36'000 Mitarbeitern an das japanische Konglomerat Hitachi. Seither ist ABB weltweit in 18 verschiedenen Divisionen organisiert.

Itschner hat im Laufe seiner Karriere an mehrere Vorstände rapportiert, im Moment jedoch an den finnischen Länderchef Pekka Tiitinen in dessen Rolle als Lead Business Manager Nordeuropa für den Geschäftsbereich Motion, in dem auch Itschner tätig ist. Und in dem ABB etwa Antriebe, Motoren, Generatoren und integrierte digitale Antriebslösungen entwickelt, also Produkte im Energiebereich, was für die Rolle als künftiger BKW-Chef ebenfalls relevant sein dürfte.

Zum Schweiz-Chef berufen wurde Itschner einst von Spiesshofer, der inzwischen als Senior Advisor bei der Investmentgesellschaft Blackstone tätig ist, und vom damaligen Europa-Chef Frank Duggan. Auch wenn Itschner wohl nicht ständig im Austausch mit CEO Rosengren steht, so dürfte er über all die Jahre im Konzern diverse Kontakte auf allen Ebenen geknüpft haben.

Familie
Robert Itschner ist keiner, der gerne viel über sein Privatleben preisgibt. Selbst Personen, die beruflich schon mit ihm zu tun hatten, wissen wenig Privates. Bekannt ist, dass Robert Itschner 1966 geboren wurde und heute mit seiner Frau im Zürcher Oberland lebt. Er ist Vater von drei erwachsenen Kindern. Itschner und seine Frau sind zudem als Privatgönner bei der Pfadi Uster gelistet.

ROBERT ITSCHNER
Seine Ausbildung genoss der 55-Jährige in nah und fern: Er besitzt einen Bachelorabschluss in Elektrotechnik der Hochschule für Technik Rapperswil (HSR) sowie einen Master of Science in Elektrotechnik und Informatik der amerikanischen Northwestern University in Illinois.

Karriere
Nach seinem Studium der Elektrotechnik und Informatik stösst Itschner 1993 als junger Softwareingenieur zu ABB Schweiz: Dem Unternehmen widmet er die nächsten 30 Jahre seiner Karriere. Für den Energietechnikkonzern ist Itschner in verschiedenen Funktionen tätig. So arbeitet er in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Supply Chain, im Management lokaler Geschäftseinheiten und Divisionen in Deutschland und der Schweiz sowie als Leiter der Business Unit Power Conversion.

Die Karriereleiter führt ihn über die Führungsaufgabe im Marketing & Verkauf der Division Robotics & Motion ganz nach oben. Mitte 2018 schafft es Itschner an die Spitze von ABB und löst Remo Lütolf ab, der heute Ruag International präsidiert. Darüber hinaus engagiert er sich im Vorstand des Wirtschaftsverbands Advance, der Chancengleichheit fördert. Dort kommentierte Itschner einmal freimütig seine Karriere: «Als Roberta hätte ich es viel schwerer gehabt.»


Das Firmennetzwerk zählt rund 130 Unternehmen zu seinen Mitgliedern. In regelmässigem Austausch ist Itschner laut Advance mit der Geschäftsführerin Alkistis Petropaki und anderen Vorstandsmitgliedern wie dem CEO der Swiss Re Corporate Solutions, Andreas Berger, und Florence Schnydrig Moser, Head Private Banking bei der Zürcher Kantonalbank.

Gegenspieler
Neu für Itschner als designierter BKW-Chef dürfte der politische Gegenwind sein, der ihm künftig entgegenschlagen wird. Denn BKW hat sich mit ihrem strategischen Umbau unter Vorgängerin Suzanne Thoma zwar bei den Aktionären beliebt gemacht, doch wegen ihrer diversen Zukäufe als staatsnaher Betrieb auch Widerstand ausgelöst. So wehrt sich unter anderem der Gewerbeverband Berner KMU mit seiner Kampagne «Fair ist anders» – co-präsidiert etwa von Mitte-Nationalrat Lorenz Hess, GLP-Nationalrat Jürg Grossen oder FDP-Nationalrat Peter Schilliger.

Auch im Parlament gibt es Widerstand. So hat es etwa eine Motion von FDP-Ständerat Andrea Caroni angenommen, die Wettbewerbsverzerrungen durch Staatsbetriebe wie Post, Swisscom oder BKW eindämmen will.

Industrie-Connection
Gemäss BKW verfügt der langjährige ABB-Mann über ein «breites Netzwerk in der Schweizer Wirtschaft». Dies entstand einerseits dank seiner Funktion im wichtigen Vorstandsausschuss beim Industrieverband Swissmem. Dort hat er nicht nur mit Präsident Martin Hirzel zu tun, sondern mindestens vier Mal jährlich auch mit den anderen Ausschussmitgliedern.

Zu ihnen gehören etwa Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler, Bühler-CEO Stefan Scheiber, Schaffner-VRP Urs Kaufmann oder Matthias Rebellius, der Siemens Schweiz präsidiert. Dieser ist vor einem halben Jahr unter anderem zusammen mit Itschner und Alpiq-Chefin Antje Kanngiesser auch in den Vorstand des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse gewählt worden.

Itschner steht in dem von Christoph Mäder präsidierten Verband auch der Kommission für Energie und Umwelt vor. Sie ist eine der insgesamt acht Kommissionen, die wirtschaftspolitische Kernthemen behandeln. Kommissionspräsidenten sind neben Itschner auch der FDP-Nationalrat Marcel Dobler (Infrastruktur) und FDP-Ständerat Ruedi Noser (Wettbewerb).

Quelle: Bilanz

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